Wo möchtest du gebären?

Viele Frauen antworten auf diese Frage mit "Natürlich im Krankenhaus". Auf die Frage, warum dort und nicht woanders bekommt man meist die Reaktion "Naja falls etwas passiert". Wenn ich dann kontere "Was könnte denn passieren?" haben viele Frauen die Horrorvorstellng im Kopf, sie könnten verbluten oder das Baby nicht genug Sauerstoff bekommen. Natürlich kann all dies passieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering. Bevor man also "mit dem Strom schwimmt" und das macht, was die Masse macht einfach "weil man es so macht", sollte man sich fragen

  • Möchtest du diesen Geburtsort? Warum möchtest du ihn?

  • Was genau macht diesen Ort sicherer als den anderen? (Statistik s.u.)

  • Wo fühlst du dich am wohlsten und warum?

  • Was ist für die Geburt produktiv und kontraproduktiv? Kennst du die fördernden und hinderlichen Faktoren? Hast du sie selbst hinterfragt?

  • Möchtest du dort entbinden, um selbst (k)eine Verantwortung dafür übernehmen zu müssen "falls etwas passiert"? 

  • Wie hoch ist dein persönliches Risiko, dass etwas passiert?

  • Hast du dich mit den statistischen Vor- und Nachteilen verschiedener Geburtsorten befasst?

  • Wie stark hörst du auf dein Bauchgefühl oder wie viel Einfluss haben fremde Stimmen (Umfeld, Arzt, Zeitschrift, Medien, Vorgeschichte...) auf die Wahl des Geburtsortes? 

  • Brauchst du zur Geburt ärztliches Personal oder reicht dir eine Hebammenbetreuung? 

  • Warum brauchst du medizinische Notfallversorgung im Hintergrund?

  • Vertraust du Hebammen und ihren Einschätzungen darauf, wann eine Geburt gefährlich wird?

  • Wusstest du, dass Hausgeburten jederzeit von dir oder der Hebamme abgebrochen werden können, sei es weil du dich nicht wohl fühlst oder eine medizinische Betreuung besser wäre?

  • Wusstest du, dass prozentual die Hausgeburten, die im Krankenhaus beendet werden, nicht in Hektik oder gesundheitlichen Risiken statt finden sondern Hebammen rechtzeitig handeln, damit weder du noch dein Baby gefährdet wird? 

  • Wie wichtig ist dir eine 1:1 Betreuung durch die Hebamme? 

  • Wie fühlst du dich in fremden Umgebungen und wie reagierst du darauf, wenn fremde Personen dir körperlich sehr nahe sind (Muttermund abtasten, Stuhlgang entfernen, benutzte Binden kontrollieren usw.)? Könnte dich dieser Verlust der Privats- und Intimsphäre behindern?

  • Wie wichtig ist dir Naturheilkunde und welche Bedeutung hat Medizin für mich? Bietet dein ausgewählter Geburtsort dies?

  • Wie wichtig sind dir Schmerzmittel und warum? Welche Art von Schmerzmittel (medizinisch oder naturheilkundlich/ homöpópathisch bevorzugst du und warum? Kennst du Erfahrungsberichte damit?

  • Wie wichtig ist dir Selbstbestimmung, wo kannst du dies am besten umsetzen?

  • Hast du eigene Wünsche im Krankenhaus, Geburtshaus oder bei deiner Hausgeburtshebamme angesprochen? Wie reagiert man darauf? Wirst du individuell betreut?

  • Wen möchtest du bei der Geburt dabei haben und wo kann dir das ermöglicht werden?

Der Einfluss durch das Umfeld

Die heutige Gesellschaft ist es gewöhnt, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, möglichst bequem für sich selbst und möchte dabei den Erwartungen anderer gerecht werden. Zudem möchte man möglichst wenig Risiken eingehen und die Verantwortung abgeben. Die Vernunft spricht oft lauter als die Intuition. Die Folge ist zwar, dass jeder gesellschaftlich akzeptiert ist, jedoch seelisch nicht voll zufrieden. Eine gewisse Leere ist vorhanden, manchmal auch (unerklärliche) traurige Verstimmung. Je nachdem wie stark man seine eigenen Bedürfnisse ignoriert und je nachdem wie stark andere jemanden beeinflussen wollen, so kann eine Geburt traumatische Ausmaße nehmen.

Es ist somit sehr wichtig, dass du nicht dort entbindest, wo es "normal" ist oder wo andere es sicher finden. Du solltest nicht dort gebären, wo es am sichersten erscheint sondern dort, wo du dich sicher fühlst. Um heraus zu finden, was du für einen sicheren Ort benötigst, solltest du nicht nur das berücksichtigen, was man dir erklärt "weil man das so macht" sondern einerseits tief in dich hinein horchen, was du für deine Sicherheit benötigst und warum und andererseits realistisch abwägen, heißt z.B. mit Erfahrungen anderer und/ oder Statistiken arbeiten sowie statt im Fall der Fälle Hilfe zu haben besser schauen, wie du diesen Fall der Fälle verhindern kannst.

 

Ein Beispiel: Du möchtest im Krankenhaus entbinden, denn falls dein Baby Anpassungsstörungen hat, wäre es dort direkt optimal versorgt. Statt nun aber dich zu fragen, wie du dich absichern könntest für den Fall dass etwas passiert kannst du dich fragen, wo und wie kannst du gebären, damit du gar nicht erst in diese Situation kommst. In diesem Fall läge die Antwort, ebenfalls nur ein Beispiel, darin, dass ein Baby oft dann Anpassungsschwierigkeiten hat, wenn die Nabelschnur nicht auspulsieren durfte.

Und wenn nun doch Anpassunsstörungen zuhause vorhanden sind? Dann hat die Hebamme bei einer Hausgeburt Equipment dabei, um zu helfen. In diesem Fall, als Beispiel, ein Sauerstoffgerät. 

Weiteres Beispiel ist, dass manche Frauen klagen, sie lagen 48 Std. in den Wehen, geplagt von Wehensturm und Geburtsstillstand wurde letztendlich das CTG pathologisch und es folgte ein Kaiserschnitt. Das klingt traumatisch und niemand möchte dies erleben. Nun schaut man aber wieder, was kann man dafür tun, um so etwas zu verhindern? Wehenstürme sind oft die Folge von Einleitungen bzw. wehenfördernden Mitteln. Daher sollte man solche Medizin nicht annehmen einfach nur weil man "über den Termin" ist oder weil "die Plazenta verkalkt" ist sondern du solltest dich fragen: Ist die Diagnose wirklich gefährlich? Ist eine Einleitung wirklich nötig? Was wäre, wenn du darauf verzichten würdest? Warum möchtest du etwas annehmen, warum ablehnen?

Die häufige Frage beim CTG ist also "was ist wenn das CTG pathologisch wird?" Stattdessen kannst du dich fragen "Wie kann ich pathologische Herztöne verhindern?" Das gelingt beispielsweise, wenn man die Rückenlage meidet oder zumindest nur kurze Zeit umsetzt bzw. genau beobachtet, in welche Position man sich gerade befindet und ob sich die Herztöne beruhigen, wenn man die Position verändert.

Verstehst du nun, was ich meine? Viele Frauen möchten die Sicherheit im Krankenhaus, um gefährliche Situationen behandeln zu können und vergessen dabei, sich zu fragen, was sie dafür tun können, damit sie gar nicht erst in eine solche Situation kommen. 

  • Wusstest du zum Beispiel, dass dein Becken in Rückenlage weniger beweglich ist als in aufrechter Position?

  • Wusstest du, dass der Zimmerwechsel (z.B. vom Krankenhauszimmer in den Kreißsaal) die Geburt (kurzzeitig) negativ beeinträchtigen kann?

  • Wusstest du, dass Personalwechsel die Geburt negativ beeinflussen kann?

  • Wusstest du, dass sich eine 1:1 Betreuung positiv auswirkt, dies aber in Krankenhäusern nur die Seltenheit ist?

  • Wusstest du, dass der Großteil an Geburten mit Interventionen begleitet werden und die meisten davon unnötig sind?

  • Wusstest du aber, dass genau diese Interventionen verantwortlich dafür sein können, dass die Wehen unheimlich stark, schwach oder sich ewig in die Länge ziehen können?

  • Wusstest du, dass CTGs oft falsch gedeutet werden?

  • Wusstest du, dass fremdbestimmte Geburten oft jahrelange negative seelische Auswirkungen haben und genau diese "Gewalt unter der Geburt" ein trauriger Alltag ist? 

Nun klingt das für dich vielleicht ein bisschen einseitig. Zu negativ für Krankenhausgeburten, zu positiv für Hausgeburten. 

Ja, das mag vielleicht sein. Vielleicht bin ich tatsächlich sehr kritisch (geworden), um deswegen ein wenig zu einseitig hier zu berichten. Aber es geht gar nicht darum, das eine besser zu finden als das andere, alles hat seine Vorteile, alles seine Risiken. Ich gehöre schließlich auch zu denen, die zwei von drei Kindern im Krankenhaus geboren hat. Aber es geht um Folgendes, wie ich auch schon sagte und nur immer wieder wiederholen kann: Du wirst nur heraus finden können, welcher Geburtsort für dich der richtige ist, wenn du alle Seiten kennst. Heutzutage ist das Pro für Krankenhäuser sehr dominant und das Contra für Hausgeburten ebenfalls. Das Problem ist, dass die Gesellschaft immer erwartet, am besten abgesichert zu sein für den Fall der Fälle ohne sich danach umzusehen, was eigentlich verantwortlich für solche Fälle ist und zu schauen, wie man dem vorbeugen kann. Ich möchte hiermit also extra kritisch, aber dennoch realistisch sagen, welche Nachteile die heutige Routine hat. Wir gehen in Krankenhäuser, weil man das so macht und weil, wenn etwas passiert, man die Verantwortung abgeben kann. Wir sind bequem geworden und gebären als Folge dessen umso unbequemer, fühlen uns aber "gerettet". Dabei wären wir gar nicht in diese "lebensgefährliche" Situation gekommen, wenn man dies oder jenes an Intervention oder Behandlung angewendet hätte. Wir hören mehr auf andere Stimmen als eigene. Wir wollen alles technologisiert haben, alles muss doppelt und dreifach abgesichert sein. Während wir unsere (Haus-)Tiere in Ruhe so lassen wie sie sind, wir beobachten aus der Ferne, so soll beim Menschen plötzlich alles überwacht werden. Beim Menschen ist man der Meinung, die Natur funktioniert plötzlich nicht mehr für den Fortbestand des Lebewesens. Dabei ist es nicht die Natur, die unklug ist und Fehler macht sondern der Mensch, der unbegründet (!) in die Natur eingreift. Wenn Mutter und/ oder Kind wirklich gefährdet sind. Weit unter 10% aller Geburten erfolgen ohne medizinische Eingriffe. Ist die Natur wirklich so dumm, dass sie bei über 90% der Geburten Mutter und/ oder Kind gefährdet? Nicht falsch verstehen. Es geht nicht darum, die Medizin generell in Frage zu stellen, sie ist toll, wenn man sie braucht. Aber man sollte sie eben auch nur einsetzen, wenn sie nötig ist. Sie grundlos einzusetzen ist eher behindernd als förderlich. In häuslicher Umgebung oder Geburtshaus hat man all diese Technik nicht. Und trotzdem geht es dort Kindern und/ oder Müttern gesundheitlich nicht schlechter als in Krankenhäusern. Vielleicht stellst du dir selbst die Frage, warum sind Hausgeburten oder in Geburtshäusern genauso sicher, oft sogar noch sicherer als im Krankenhaus, obwohl doch die Geburt "so gefährlich" ist und "voller Risiken"? 

Ich möchte dich mit diesen Worten dafür sensibilisieren, selbst zu hinterfragen, was nötig ist und was nicht. Frage dich, was brauchst du, warum brauchst du es, was hindert dich? Was ist klug von der Natur eingerichtet und wo irrt sie sich tatsächlich? Welche Vorteile hat eine Klinikgeburt, welche Vorteile eine Hausgeburt und welcher Geburtsort passt warum zu dir? Wovor hast du Angst und wie kannst du die Angst lindern? Wie oft fragst du dich selbst und wie viel Gewicht hat die Meinung deines Arztes, der Gesellschaft und das Umfeld um dich herum? 

Das Krankenhaus

Das ist der Klassiker. Die meisten Frauen gehen ins Krankenhaus für die Geburt. Der Vorteil ist, falls etwas passiert, ist medizinische Hilfe sofort am Start. Hier stellt sich die Frage, braucht man diese Hilfe? Wenn ja, warum? Warum genau brauchst du diese Sicherheit? Wie wohl fühlst du dich generell in Krankenhäusern? Wie geht es dir damit, dass während der Geburt eine liebe Hebamme ihre Schicht beendet und plötzlich du dich auf eine neue einstellen musst? Wie fühlst du dich mit dem Gedanken, unter der Geburt die Zimmer zu wechseln? Wie gehst du damit um, fremde Toiletten zu benutzen? Wie fühlst du dich, dass fremdes Personal dich in deiner intimsten Situation begleitet? Vom Stöhnen und Schreien über das Beobachten von Ausfluss, das Abtasten des Muttermundes, das Entfernen deines Stuhlgangs und sonst allerlei intimen Situationen? Wie geht es dir damit, dass du in deiner wichtigen Zeit direkt nach der Geburt den ganzen Tag im Krankenhausbett liegst, ggf. neben zwei/drei anderen Müttern? Stört es dich, wenn nachts plötzlich Personal ins Zimmer kommt, um nach dem Rechten zu sehen, ggf. Blutdruck zu messen oder andere Dinge zu verlangen? Wie wichtig ist dir, dass permanent unter der Geburt ein CTG geschrieben wird? 

Gut, zugegeben das ist jetzt schon sehr negativ beurteilt, aber dennoch

beschreibt es die Realität. Wie begeben uns während der intimsten Phase unseres Lebens in völlig fremde Hände an einen völlig fremden Ort nur aus dem Grund, weil wir meinen, dass es dort sicherer ist also irgendwo anders obwohl es bei gesunden Schwangeren und Babys nicht so ist. Frage dich daher selbst, fühlt sich dieser Ort für dich sicher an? Fühlst du dich wohl? Wenn du dich wirklich wohl fühlst und genau diesen Ort für deine Entbindung benötigst, dann gehe dorthin. Vielleicht kann die Mitnahme eines Geburtsplans deine selbstbestimmte Geburt positiv beeinflussen und wenn möglich, kannst du eine Beleghebamme und/ oder Doula mitnehmen. Im Krankenhaus kannst du außerdem Musik mitnehmen, die du gerne hören möchtest, vielleicht auch Düfte oder eine Geburtsfotografin. Vieles ist möglich, um trotz fremder Umgebung ein angenehmes Flair zu schaffen.

Das Geburtshaus (Hebammenpraxis)

Im Geburtshaus bist du rundum betreut von Hebammen. Sie stehen im engen Kontakt mit Krankenhäusern und dennoch bist du frei von ärztlichem Personal. Ein Geburtsort ist ein guter Ort, wenn du Krankenhäuser meiden möchtest, dich selbst aber zuhause nicht wohl fühlen würdest.  Hier brauchst du keinen Zimmer- oder Personalwechsel befürchten. Die Hebammen können mit Naturheilkunde deine Schmerzen lindern, die Geburt positiv beeinflussen. Sie sind die ganze Zeit an deiner Seite, wenn du das möchtest. Das Team kann deinen Geburtsverlauf sehr gut einschätzen, weil sie dich engmaschig begleiten ohne dass du dabei fremdbestimmt wirst. Du darfst deinen Weg gehen. Bewege dich so, wie es dir gut tut. Die Hebammen kennen die physiologischen Abläufe der Geburt und nehmen Rücksicht auf das, was dein Körper leisten kann und soll, bieten aber zeitgleich Unterstützung an wie beispielsweise Akupunktur oder Aromatherapie. Du kennst die Hebammen schon von Vorgesprächen und die Zimmer sind sehr wohnlich eingerichtet. Du fühlst dich fast wie zuhause und kannst nach einem ausgiebigen Bonding zurück in dein vertrautest Zuhause gehen. Sollte Bedarf bestehen, würde man unter der Geburt dich in ein Krankenhaus überweisen, ganz frei von Zeitdruck, Hektik oder gefährlicher Situation. Die Hebammen haben ein gutes Gespür dafür, wann ein Krankenhaus die bessere Wahl wäre bzw. haben andererseits auch Vorgaben, an die sich sich halten müssen, um dich nicht zu gefährden. Aber auch du kannst jederzeit deine Wünsche mitteilen, wenn du dich im Geburtshaus nicht mehr wohl fühlst.

Die Hausgeburt

Bei der Hausgeburt bleibst du so lange, wie du dich wohl fühlst. Das heißt, nur weil du eine Hausgeburt planst, bedeutet es nicht, dass du sie zwingend auch dort zuende zu bringen. Bleibe so lange, wie du dich dort gut fühlst und wenn ein Moment kommt, wo du denkst, du würdest dich im Krankenhaus wohler fühlen, kannst du jederzeit dorthin gehen.

An deiner Seite ist eine Hausgeburtshebamme. Da diese rar sind, ist es empfehlenswert, sich rechtzeitig darum zu kümmern, das darf schon direkt nach dem positiven Schwangerschafstest sein. Die Geburt selbst wird von der Krankenkasse übernommen und direkt mit deiner Hebamme abgerechnet. Allerdings musst du eine Rufbereitschaft zahlen, denn deine Hebamme kann um deinen ET herum nicht so viele Frauen betreuen wie ohne Rufbereitschaft. Außerdem ist deine Hebamme in der Freizeit stark eingeschränkt, schließlich muss sie jederzeit zügig zu dir kommen können. Einen Teil der Rufbereitschaft bekommst du von deiner Krankenkasse hinterher erstattet. 

Wie der Name schon sagt bedeutet Hausgeburt, dass die Geburt zu Hause statt findet. Die Sorge, es gäbe zu viel Schweinkram oder das Risiko "dass etwas passiert" ist un begründet. Die "Schweinerei" hast du so oderso, die Hebammen kennen das und denen ist völlig egal, ob sie dies im Krankenhaus oder zu Hause sehen. Sie sind gut ausgestattet, um deine Möbel vor bleibenden Verfärbungen zu schützen und sorgen dafür, dass nach der Geburt alles wieder so aussieht, wie es war. Hübsch sauber. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert, ist recht gering. Risikoschwangere dürfen so oder so nicht zu Hause entbinden, alle anderen brauchen nichts befürchten. Im Gegenteil, dadurch, dass hier eine 1:1 Betreuung statt findet und die Hebamme dich mit Naturheilkunde und Homöopathie unterstützen kann, läuft eine Geburt sehr harmonisch ab. Den Frauen wird Zeit gegeben, sie stehen nicht unter Zeitdruck, es gibt keinen  Personalwechsel und das Wechseln des Zimmers findet nur statt, wenn du es möchtest. Das heißt du darfst entscheiden, ob du ins Wohnzimmer möchtest, ins Bad, Schlafzimmer oder sogar in den Garten. 

Auch deine Familie darf die begleiten, sofern du möchtest. Du kannst Geschwisterkinder dabei haben, deine Haustiere dürfen an deiner Seite sein, vielleicht möchtest du auch Nachbarn, Freunde, eigene Geschwister, Fotografen, Bekannte oder Familie dabei haben. Während im Krankenhaus Kinder nicht gestattet sind und Begleitpersonen auf 2 beschränkt sind, darfst du dir Zuhause dein Umfeld so gestalten, wie du es möchtest. Bei Kindern ist es aber empfehlenswert, für den Fall dass sie sich unwohl fühlen, eine betreuende Person im Haus zu haben oder die sie abholen würde.

Ein weiterer Vorteil ist, dass auch dein Partner sich ggf. wohler fühlt. Er ist derjenige, der viele viele Stunden an deiner Seite ist und sich sicherlich freuen wird, wenn er an seinen Kühlschrank kann, sich seinen Kaffee zubereiten kann, auf seine Toilette gehen kann oder sich bei Bedarf in sein Zimmer zurück ziehen und durchatmen kann.

Deine Hebamme kann die Lage deines Kindes, deinen Muttermund und die Herztöne jederzeit nach Bedarf kontrollieren. Für die Geburt und die Zeit danach ist sie ausgestattet mit Sauerstoffgerät, Waage und was man sonst noch für die Erstversorgung braucht oder nicht braucht. Sollte es nötig sein, kann sie dir sogar Oxytocin spritzen, zum Beispiel wenn sich die Plazenta nicht von alleine löst. Die Hebamme übernimmt nach einem ausgiebigen Bonding die U1 bei deinem Baby.

Sollte die Hebamme unter der Geburt merken, dass medizinische Unterstützung nötig ist, wird sie dich in ein Krankenhaus überweisen. Statistisch gesehen erfolgt dieser "Umzug" allerdings ohne Hektik, Zeitdruck oder während einer lebensbedrohlichen Situation. Nicht jede Verlegung ist nötig, manchmal sind z.B. Hebammen an Vorschriften gebunden.

Was ist sicherer, Haus- oder Klinikgeburt?

Teilgenommen haben an der Studie der Universitäten Amsterdam, Leiden, Deventer und Nijmegen (Niederlande) 146.752 Schwangere zur Zeit des Einsetzens der Wehen, bei denen nur ein geringes Risiko für Komplikationen während der Geburt zu erwarten war. Das Ergebnis sah wie folgt aus:
Gesamt-Komplikationsrate

Hausgeburt  2,0 auf 1000 Geburten

Klinikgeburt 2,3 - 3,1 pro 1000 Geburten

Massiver Blutverlust (postpartalen Hämorrhagie )

Hausgeburt 43,1 auf 1000 Geburten

Klinikgeburt 43,3 auf 1000 Geburten

Ergebnisse für Frauen, für die es nicht die erste Geburt war

Komplikationsrate

Hausgeburt 1 von 1000 Geburten

Klinikgeburt 2,3 von 1000

Hingegen dazu stieg die Gefahr von Blutverlusten

Hausgeburt 20 von 1000 

Klinikgeburt 38 von 1000

Quelle: Ärztezeitung (gibt aber weitere Quellen, die das Ergebnis publizierten)

Mit anderen Worten: Insgesamt sind Hausgeburten entgegen ihrer gesellschaftlichen Risikoeinschätzung sicherere als Klinikgeburten mit wenigen Ausnahmen. Jeder Ort hat seine Vor- und Nachteile, jeder Ort hat seine Chancen und Risiken. Letztendlich entscheiden viele Faktoren, wie eine Geburt verläuft und endet. Aber ist es nicht erschreckend, dass über 90 % aller Frauen mit einem niedrigen Risiko für Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt derzeit während der Geburt medizinische Eingriffe erleben? (Quelle)

 

Und wer das Ganze spirituell sehen möchte: Wenn etwas passieren soll, wird es auch passieren, egal wo und wie man entbindet.  Das tröstet natürlich nicht bei tatsächlich eingetretenen Komplikationen. Wir können zwar viel tun, um die für uns richtige Entscheidung zu treffen, aber dennoch können wir nicht Gott spielen und alles so planen, wie wir es gerne hätten. Wir können nur selbst einschätzen, was das für uns geringste Risiko ist, mit dem wir uns gut fühlen, um der Geburt voller Vorfreude entspannt entgegen zu sehen. Alle Statistiken und Erfahrungsberichte können uns helfen, den für uns richtigen Weg zu finden, aber wir werden nirgends einen Geburtsort oder eine Geburtsart finden, die zu 100% sicher ist.

Fazit

Du hast die Qual der Wahl und jeder wird dir etwas anderes sagen. Du wirst überschüttet mit Risiken und Chancen sowie Erfahrungsberichten. Besonders viel Sorgen machen dir die traumatischen Geburten und du machst dir Sorgen darüber, dass du deine Entscheidung bereuen könntest. Am schlimmsten ist die Vorstellung, dein Baby könnte krank oder behindert werden oder gar sterben nur weil du deinen Kopf durchsetzen wolltest. Und genau das ist das Problem. Du empfindest nur das als sicher, was du gewöhnt bist, was heutzutage als normal gilt. Wer von dieser Norm abweicht, würde sein Kind absichtlich gefährden und sei egoistisch, er würde nur an sich denken und nicht an sein Kind. Obwohl statistisch gesehen die Hausgeburten sicherer sind als Klinikgeburten, ist eine Hausgeburt trotzdem verpönt und gilt als unsicher. Gleiches gilt, wenn man sein Baby aus BEL oder Zwillinge vaginal gebären möchte, das ist durchaus möglich und sollte nicht von vorn herein abgelehnt werden sondern erst, nachdem alle  Vor- und Nachteile abgewogen sind, eine Entscheidung getroffen werden, mit der du dich gut fühlst.

Solltest du ein absoluter Befürworter von Krankenhäusern sein, dann entbinde dort. Ich möchte dich zwar ermutigen, die Routine zu hinterfragen, aber ich möchte dir weder zu etwas überreden noch sonst irgendwie dir etwas Schlechtes wünschen. Ich wünsche dir eine traumhafte Geburt, egal wo du entbindest. Mir ist nur wichtig, dass du entscheidest und nicht jemand anderes. Höre nicht auf andere. Höre dir etwas an, aber entscheide nach deinen eigenen Wünschen. Ein eigener Weg kann in der Gesellschaft schwieriger sein, aber mit dir selbst Frieden schaffen. Schaue dir alle Möglichkeiten an, alle Vorteile, alle Nachteile und frage dich, was du brauchst und warum du das brauchst. Vertraue darauf, dass dein Körper wunderbare Arbeit leisten kann und nur in seltenen Fällen wirklich medizinische Unterstützung notwendig ist. Du kannst das, entscheide so, wie du das möchtest, indem du dir möglichst viele Fragen stellst, beantwortest und dann das in die Tat umsetzt, was du gerne möchtest. Ein Kompromiss könnte so aussehen, dass du mit Wehen zuhause bleibst und schaust, wie es dir geht in Begleitung deiner Hebamme. Solange du dich gut fühlst, bleibst du zuhause. Wenn du dich nicht gut fühlst, fährst du in die Klinik. Es gibt viele Möglichkeiten und du wirst den Weg finden, der zu dir passt.

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